Lipödem – ergänzende ernährungsmedizinische Ansätze

1. Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine chronisch-entzündliche Fettverteilungsstörung (dauerhafte, unterschwellige Entzündung des Fettgewebes), die fast ausschließlich Frauen betrifft. Charakteristisch ist eine symmetrische, disproportionale Fettvermehrung an Beinen und/oder Armen bei ausgesparten Händen und Füßen. Typisch sind Druckschmerz, Spannungsgefühl, Hämatomneigung (Neigung zu blauen Flecken) und eine fehlende Ansprechbarkeit auf klassische Diäten.

2. Stadien des Lipödems (Kurzüberblick)

• Stadium I: glatte Haut, feinknotiges Fettgewebe, erste Schmerzhaftigkeit
• Stadium II: unebene Haut, gröbere Knoten, zunehmende Druckschmerzen
• Stadium III: derbes, deformierendes Fettgewebe mit Bewegungseinschränkungen
(Unabhängig vom Stadium kann ein normales oder erhöhtes Körpergewicht vorliegen.)

3. Was induziert ein Lipödem?

Evidenzbasiert gelten als zentrale Faktoren:
• genetische Prädisposition (familiäre Veranlagung)
• hormonelle Umbruchphasen (Pubertät, Schwangerschaft, Peri-/Menopause)
• Östrogendominanz bei Progesteronmangel (Ungleichgewicht weiblicher Hormone)
• chronische niedriggradige Entzündung (dauerhafte, unterschwellige Immunaktivierung)
• gestörte Mikrozirkulation & Kapillarpermeabilität (Durchlässigkeit kleinster Blutgefäße)

4. Bedeutung von Östrogenüberschuss & Progesteronmangel

Östrogene fördern:
• Adipozytenvermehrung (Zunahme von Fettzellen)
• Lipogenese (Fetteinlagerung)
• Gefäßpermeabilität (Durchlässigkeit der Gefäße → Ödembildung)
• entzündliche Signalwege
Progesteron wirkt dem physiologisch entgegen (antiödematös = abschwellend, antiinflammatorisch = entzündungshemmend). Ein relativer Progesteronmangel verschiebt dieses Gleichgewicht zugunsten von Fetteinlagerung, Entzündung und Ödembildung.

5. Chronische Entzündlichkeit – zentrale Pathophysiologie

Lipödem-Fettgewebe ist kein passiver Speicher, sondern ein aktives endokrines Organ (es produziert selbst Hormone und Botenstoffe):
• hypertrophe Fettzellen produzieren proinflammatorische Zytokine (entzündungsfördernde Botenstoffe wie TNF-α, IL-6)
• Makrophageninfiltration (Einwanderung von Immunzellen) verstärkt die low-grade inflammation
• chronische Entzündung fördert Fibrosierung (Verhärtung des Gewebes), Schmerz und Progression

6. Fettzellen & Blutzucker – der Zusammenhang

Chronische Entzündung führt zu:
• Insulinresistenz (Zellen reagieren schlechter auf Insulin)
• erhöhter Glukosefreisetzung (mehr Zucker im Blut)
• verstärkter Lipogenese (mehr Fetteinlagerung)
Körpereigenes Insulin wirkt dabei wachstumsfördernd auf Fettzellen und verstärkt entzündliche Prozesse – ein sich selbst erhaltender Kreislauf.

7. Evidenzbasierte Therapie (medizinischer Standard)

• Kompressionstherapie
• manuelle Lymphdrainage
• gezielte Bewegung
• Gewichtsmanagement
• ggf. liposuktive (Fettabsaugung)  Verfahren (stadienabhängig)
👉 Ernährung ist keine Primärtherapie, kann jedoch entzündliche Aktivität modulieren (beeinflussen und dämpfen).

Ergänzend: Erfahrungsmedizinischer Ansatz – AIP (Autoimmunprotokoll)

8. Warum AIP potenziell hilfreich sein kann

Das Autoimmunprotokoll zielt auf:
• Reduktion entzündlicher Trigger (Nahrungsbestandteile, die Entzündung fördern können)
• Stabilisierung der Darmbarriere (Schutz vor „Leaky Gut“)
• Modulation des Immunsystems
Lipödem-Patientinnen berichten über Schmerzlinderung, geringere Spannungsgefühle und bessere Regulation.

9. Warum Milchprodukte problematisch sein können

• Casein wirkt immunogen (könnte das Immunsystem reizen)
• α-Lactoalbumin könnte die Darmpermeabilität erhöhen (Darm wird durchlässiger)
• Milchproteine fördern IGF-1-Signalwege (Wachstums- und Fettaufbau-Signale → lipogen & proinflammatorisch)

10. Lektin- & Getreideverzicht – entzündungsrelevant

• Getreide enthält hohe Omega-6-Fettsäuren → Eicosanoid-Verschiebung Richtung Entzündung (könnte mehr entzündungsfördernde Botenstoffe liefern )
• Lektine können die Darmbarriere beeinträchtigen
• Salicylate könnte  bei empfindlichen Personen inflammatorisch wirken (entzündungsfördernd)

11. Zuckerfreie Ernährung – zentraler Entzündungsfaktor

Zucker:
• aktiviert das NLRP3-Inflammasom (ein inneres Entzündungs-Alarmsystem der Immunzellen)
• steigert IL-1β & IL-18 (starke entzündungsfördernde Botenstoffe)
• fördert Insulinspitzen → Fettzellwachstum
👉 Das Immunsystem erkennt überschüssigen Zucker als metabolischen Stressor (Stoffwechsel-Stress).

12. Beispiel: 1-wöchiger AIP-Einstiegsplan (Kurzfassung)

Ernährung
• Frühstück: Knochenbrühe, Gemüse, Protein
• Mittag: Gemüse, hochwertiges Protein, gesunde Fette
• Abend: leicht, entzündungsarm
• keine Snacks, stabile Mahlzeiten
Bewegung
• Woche 1–2: Spaziergänge, leichtes Krafttraining
• kein hochintensiver Ausdauersport initial
Weitere Maßnahmen
• Trockenbürsten morgens (Lymphaktivierung)
• Wechselduschen kalt/heiß Abduschen der Beine
• Schlaf priorisieren

13. Leber- & Darmunterstützung

Leber & Darm sind zentral für den Östrogenabbau (Phase-I/II-Detox, enterohepatischer Kreislauf – Rückführung von Hormonen aus dem Darm).
Unterstützend:
• ballaststoffreiche AIP-Gemüse
• Bitterstoffe
• ausreichende Proteinzufuhr
• Vermeidung alkoholischer & toxischer Belastung

14. Antientzündliche Nahrungsergänzung (immer laborbasiert!!!)

Omega-3 (EPA/DHA)
→ hemmt NF-κB (zentraler Entzündungsschalter), reduziert Zytokine
Magnesium
→ Stressregulation, Mastzellstabilität
Zink
→ Immunmodulation, antioxidativ (Zellschutz)
Selen
→ Reduktion oxidativer Entzündung (Entzündung durch Zellstress)
Quercetin
→ Mastzellstabilisierung, antihistamin (histamindämpfend)
Resveratrol
→ Hemmung entzündlicher Signalwege
Kurkuma (Curcumin)
→ COX-2-Hemmung (Enzym der Schmerz- und Entzündungsentstehung)
Weihrauch (Boswellia)
→ 5-LOX-Hemmung (Enzym, das entzündungsfördernde Stoffe bildet)
Vitamin D
→ Immunbalance, Reduktion autoimmuner Aktivität
👉 Substitution nur nach Laborwerten !!!!!, da Überversorgung entzündlich wirken kann und toxische Wirkung haben kann.
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